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11.12.2025

Kulturimpuls zur Adventzeit: Ein Blick auf die Schwarze Madonna im Forum Augusteum

Advent ist nicht nur eine Zeit der Vorbereitung, der stillen Momente und kleiner Wunder, sondern auch eine Zeit der kulturellen Symbole. Passend dazu werfen wir einen Blick auf ein Kunstwerk, das seit Jahrhunderten für Geborgenheit und Hoffnung steht: ein außergewöhnliches Marienbild …

Links neben dem Hochaltar findet sich eine Nische mit einem aufwändigen Marienaltar. Hier ist in einem Rokoko-Rahmen das Bildnis einer Schwarzen Madonna zu sehen. Es wurde 1773 ins Forum Augusteum gebracht und stellt eine Kopie der Schwarzen Madonna aus Brünn dar. Mit einem milden Lächeln hält sie ihr Kind im Arm, dass gar nicht mehr so kindlich erscheint. Vor dem goldenen Hintergrund ist die Haut wie auch das Gewand von Mutter und Kinder dunkel gehalten.

Das Original – die Schwarze Madonna aus Brünn – entstand wahrscheinlich in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts. 1356 schenkte Kaiser Karl IV., König von Böhmen und Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, dem neu gegründeten Augustinerkloster und -Kirche St. Thomas  das besondere Gemälde. Bald pilgerten viele Gläubige zu diesem Bildnis, das als heilig galt und dem Wunderkräfte zugeschrieben wurden.

Legende und die Krönung eines Gemäldes

Laut der Legende wurde die Stadt Brünn durch die Anbetung des Bildes geschützt. Die schwedische Armee stand im August 1645, während des Dreißigjährigen Krieges, kurz vor der Besetzung Brünns. Die Frauen der Stadt nahmen das heilige Bildnis vom Altar der Thomaskirche und trugen es in einer betenden Prozession durch die Stadt. Man nahm an, dass die Madonna sie erhört hatte und ihnen Schutz gewährte, denn die Stadt wurde vor dem Feind gerettet.

Aus diesem Grund nahm das Augustinerkloster Gespräche mit dem Vatikan über die Krönung der Schwarzen Madonna von Brünn auf. Schließlich wurde ein Goldschmied beauftragt, Kronen für die Darstellung von Mutter und Kind sowie einen aufwendigen Silberaltar für die Hochmessen und Prozessionen anzufertigen. Nach Fertigstellung wurde 1736 ein „Krönungstag“ für das Gemälde in der Stadt gefeiert und Gedenkbilder der Schwarzen Madonna wurden verteilt. Auch in der Darstellung im Forum Augusteum haben Maria und das Jesuskind goldene Kronen.

Heute befindet sich das wertvolle Bildnis in der Basilika Mariä Himmelfahrt in Brünn gemeinsam mit dem silbernen Altar, denn die Augustiner mussten Ende des 18. Jahrhunderts von ihrem ursprünglichen St.-Thomas-Kloster dorthin übersiedeln. In der Basilika Mariä Himmelfahrt findet jedes Jahr Mitte August eine Wallfahrt zur Schutzpatronin der Stadt Brünn und der „Perle Mährens“ statt, wie die Schwarze Madonna auch genannt wird.

Ursprung der Schwarzen Madonna wird bis heute diskutiert

Als „Schwarze Madonna“ wird in der religiösen Kunst das Bild oder die Statue benannt, deren Gesicht schwarz ist. Entweder ist die Haut schwarz bemalt oder die Statue besteht aus schwarzem Holz oder Stein. Dass die dunkle Farbe durch das Alter des Kunstwerks oder durch Verrußung entstanden ist, gilt heute als wenig plausibel.

Eine christliche, biblische Begründung für die schwarze Farbe sind Textinterpretationen, beispielsweise aus dem Hohelied: „Ich bin dunkel, aber schön“. Zur Diskussion stehen allerdings die verschiedenen Textstellen bei denen „und“ auch mit „aber, dennoch“ übersetzt werden kann. In der christlichen Sichtweise wurde die Stelle auf die Seele als die Braut Gottes, mithin Maria, bezogen.

Die schwarze Farbe wurde im 20. Jahrhundert auf die antiken schwarzen Göttinnen als mögliche Vorläuferinnen der Schwarzen Madonna zurückgeführt. Nachweislich ist der Typus der Schwarzen Göttin in vielen antiken und ägyptisch-orientalischen Kulten verankert. Seit Jahrtausenden wurden Göttinnen verehrt, die in manchen Fällen schwarz waren, wie Fruchtbarkeits-, Mutter- und Erdgöttinnen. Die Forschung sieht daher die christlichen Schwarzen Madonnen schließlich nicht als eigenständige, unabhängige Erscheinung, sondern als in dieser allgemeinen, jahrtausendealten Tradition stehend.

Im Forum Augusteum erinnert die Schwarze Madonna bis heute an die lange Tradition der Marienverehrung und lädt Besucher dazu ein, ihre Geschichte neu zu entdecken.

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