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10.06.2026

Zwischen Geschichte und Zukunft: Wie das Augusteum Korneuburg neu gedacht wird

Mit einem neuen architektonischen Zugang wird das Augusteum in Korneuburg weiterentwickelt und in vielen Aspekten neu gedacht. Der Wechsel des Architekturbüros eröffnet zusätzliche Qualitäten – von optimierten Grundrissen bis hin zu erweiterten Nutzungsmöglichkeiten für künftige Mieter:innen. Architekt Klaus Landerl von Arkform gibt Einblicke in die Vision hinter dem Projekt.

Herr Landerl, Sie arbeiten mit Arkform in einem interdisziplinären Team, das Architektur, Design und Planung ganzheitlich denkt. Was hat Sie persönlich zur Architektur gebracht – und was prägt heute Ihren Zugang zum Entwerfen?

Das Thema „Bauen“ begleitet mich schon seit der Kindheit. Mein Vater hat vieles handwerklich selbst gemacht – bis hin zum Hausbauen und so konnte ich schon früh viel von ihm lernen und selbst handwerklich tätig sein. Nach der HTL habe ich mich für das Architekturstudium entschieden, weil mir nach dem technischen Zugang auch die kreative, künstlerische Sichtweise wichtig war. Und so sehen wir auch unseren Zugang im Büro. Arkform bietet ein ganzheitliches Endprodukt, das über das reine Entwerfen hinausgeht. Technik und künstlerische Gestaltung bilden letztendlich eine Einheit.

Arkform spricht von einem „dynamischen Gleichgewicht“ zwischen Gestaltung, Handwerk und Verantwortung. Wie wird diese Haltung konkret bei Projekten erfahrbar – besonders bei komplexen Revitalisierungen wie dem Augusteum?

Es braucht unserer Meinung nach ein gutes Team aus Bauherrn:in, Architekt:in und Handwerker:in, damit gute Arbeit und etwas Besonderes entstehen kann. Wir arbeiten deshalb mit Einzelvergaben. Somit kennt man die Partner:innen und kann auch von der Erfahrung und den Zugängen des jeweils anderen profitieren. Gerade in historischen Gebäuden, wie dem Augusteum, ist Vertrauen in die Fähigkeit der ausführenden Handwerker und der Austausch untereinander sehr wichtig.

Das Augusteum in der Korneuburger Altstadt verbindet historische Klostersubstanz mit neuen Nutzungen wie Wohnen, Kultur und Arbeiten. Was ist aus architektonischer Sicht die größte Herausforderung, diesen Spannungsbogen zwischen Vergangenheit und Zukunft zu gestalten?

Das historische Kloster hatte früher auch eine ähnliche Nutzung wie das heutige Augusteum: allgemeine Flächen, Wohnen, Arbeiten und Kulinarik. Die größte Herausforderung ist sicher den ehemaligen sakrale Raum, das Forum Augusteum, für eine vielfältige Veranstaltungsnutzung zu adaptieren. Bautechnisch kann hier nicht viel eingegriffen werden und so arbeiten wir eher mit gestalterischen Mitteln.
Im Kloster selbst gilt es die historischen Strukturen wieder frei zu legen und hervorzuheben, wie beispielsweise die Kreuzgänge. Hier wurde in einem ersten Schritt schon die Substanz von Verbauten befreit und es wird vorsichtige Ergänzungen geben. Das Farb- und Materialkonzept basiert auf dem historischen Kontext, wie die Farbgebung der Fresken und Formen der barocken Ausstattung. Alle Gebäudeteile, Neubau, Altbau und Forum Augusteum verbindet ein Konzept, das etwas variiert.

Die Stadt Korneuburg erhält mit dem Augusteum ein neues Stadtquartier, das weit über ein klassisches Bauprojekt hinausgeht. Welche Rolle kann Architektur dabei spielen, das soziale und kulturelle Leben einer Stadt nachhaltig zu prägen?

Hier spielt sicher die öffentliche Zugänglichkeit des Standquartiers eine große Rolle. Ein Gebäude, das historisch gesehen nicht oder nur teilweise zugänglich war, wird geöffnet. Die Kreuzgänge des Klosters mit dem Innenhof sind tagsüber begehbar, ebenso der Park. Geschäfte in den Erdgeschoßzonen, Verweilplätze und Veranstaltungen schaffen Möglichkeiten für das öffentliche Leben. Aber auch die architektonische Formensprache des Augusteums soll einladend sein. Wir entscheiden uns bewusst für hochwertige Materialien und eine weiche Farbgebung, um einen Ort zum Wohlfühlen zu schaffen.

Nachhaltigkeit spielt gerade bei der Revitalisierung historischer Gebäude eine zentrale Rolle. Inwiefern wird dieses Prinzip beim Augusteum in Korneuburg konkret sichtbar?

Energieeffizienz ist für uns ein wichtiges Kriterium beim Bauen. Beim Augusteum wird Wärme und Kälte über Tiefensonden und Wärmepumpen gewonnen. Es werden keine fossilen Brennstoffe zur Energiegewinnung am Standort eingesetzt. Nachhaltig geht bei uns aber noch einen Schritt weiter. So werden beispielsweise keine chemischen Mittel für die Ertüchtigung der historischen Mauern eingesetzt.

Wenn Sie auf das Projekt Augusteum blicken: Was macht diesen Ort aus Ihrer Sicht einzigartig – und was wünschen Sie sich, wie ihn die Menschen in Korneuburg in Zukunft wahrnehmen und nutzen werden?

Das Augusteum ist schon aufgrund seiner Lage ein besonderes Projekt. Ein Ort, der wieder öffentlich zugänglich gemacht wird und im Herzen der Stadt liegt. Besonders auch, weil er einen ruhigen Grünraum in der Altstadt schafft. Auch der Innenhof wird ein grüner Ruhepol werden. Ich würde mir wünschen, dass die Menschen nicht nur die hochwertige Adaptierung des Augusteums genießen, sondern auch ein Stück weit durch Farb- und Materialauswahl in die historische Welt des Ortes eintauchen können, ihn beleben und die Begeisterung für diesen besonderen Ort teilen.

Vielen Dank für das Interview, Herr Landerl!

Dieses Interview wurde am 09.06.2026 schriftlich geführt.
Foto: Arch. Dipl. Ing. Klaus Landerl (c) Christian Hemmelmeir, EOS

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